Dank der Verlegerfamilie Holland: Die Graswurzelkultur in Nordrhein‑Westfalen lebt weiter
MyHeimat löst den langjährigen Lokalkompass ab – Stichtag 1. April 2026
Wenn am 1. April 2026 der Lokalkompass endgültig abgeschaltet wird, wird die Ära des Bürgerjournalismus im Ruhrgebiet – ja in der Metropolregion Rhein-Ruhr nahtlos fortgesetzt. Mehr als anderthalb Jahrzehnte lang war die FUNKE‑Plattform ein digitaler Treffpunkt für Vereine, Initiativen, Hobbyreporter und die lebendige Graswurzelkultur in Nordrhein‑Westfalen.
An dieser Stelle gebührt der FUNKE‑Mediengruppe ausdrücklich Dank:
Sie hat mit dem Lokalkompass über viele Jahre eine offene Bühne geschaffen, auf der Menschen aus den Stadtteilen ihre Geschichten erzählen konnten – unabhängig, ehrenamtlich und oft mit großer Leidenschaft. Ohne diese Plattform wäre ein wichtiger Teil der lokalen Kulturarbeit nie sichtbar geworden.
Doch während die Lichter bei FUNKE ausgehen, bleiben sie an anderer Stelle überraschend hell: in Augsburg.
Denn ausgerechnet die bayerische Verlegerfamilie Holland, Eigentümerin der Mediengruppe Pressedruck, sorgt dafür, dass die Idee des offenen Bürgerjournalismus auch in der Metropolregion Rhein-Ruhr weiterlebt. Die heutigen Gesellschafterinnen Alexandra Holland und Ellinor Scherer (geb. Holland) führen das Erbe ihrer Eltern Ellinor und Günter Holland fort – und ihre Plattform MyHeimat wird zunehmend zum neuen Zuhause für jene Community, die im Lokalkompass groß geworden ist.
Ein bayerisches Portal übernimmt eine NRW‑Tradition
hochgeladen von Alexander Ivo Franz
MyHeimat existiert seit 2005 und wurde ursprünglich für Stadtmagazine in Schwaben entwickelt. Doch die Plattform hat sich längst zu einem bundesweiten Bürgerreporter‑Netzwerk entwickelt – und gewinnt nun im Westen Deutschlands rasant an Bedeutung. Seit der Ankündigung der Lokalkompass‑Schließung melden sich täglich neue Nutzerinnen und Nutzer aus dem Ruhrgebiet an, viele von ihnen mit jahrelanger Erfahrung im lokalen Ehrenamt, in Vereinen oder in der Stadtteilkultur.
Dass ausgerechnet ein bayerisches Familienunternehmen diese Lücke füllt, ist eine bemerkenswerte Wendung. Die Mediengruppe Pressedruck – heute geführt von Alexandra Holland und Ellinor Scherer – hat MyHeimat in den vergangenen Jahren technisch modernisiert und strategisch ausgebaut. Nun wird das Portal unfreiwillig zum Rettungsanker für die NRW‑Graswurzelkultur.
Offene Frage: Was passiert mit dem Lokalkompass‑Archiv?
Noch ungeklärt ist, ob MyHeimat das umfangreiche Lokalkompass‑Archiv übernehmen oder integrieren wird. Die Inhalte umfassen hunderttausende Beiträge aus Vereinen, Kulturprojekten, Stadtteilen und Bürgerinitiativen – ein einzigartiges Zeitdokument der Region.
Bislang gibt es keine offizielle Aussage, ob diese Daten gesichert, migriert oder dauerhaft verloren sein werden.
Für viele Bürgerreporter wäre eine Archivübernahme ein wichtiges Signal: dass ihre Arbeit nicht im digitalen Nirwana verschwindet, sondern weiterhin sichtbar bleibt.
Graswurzelkultur bleibt sichtbar – nur der Server steht jetzt in Bayern
Obwohl der Lokalkompass verschwindet, bleibt die Idee dahinter lebendig. Die Menschen, die diese Plattform getragen haben, ziehen weiter – und finden in MyHeimat eine neue digitale Heimat.
Die Ironie der Geschichte: Die Zukunft der nordrhein‑westfälischen Graswurzelkultur liegt nun in den Händen zweier Augsburger Verlegerinnen – Alexandra Holland und Ellinor Scherer.
Doch vielleicht ist das gar kein Nachteil. Denn entscheidend ist nicht, wo ein Server steht – sondern dass die Stimmen derjenigen gehört werden, die ihre Städte, Vereine und Nachbarschaften mit Leben füllen.
