
Dennis Boszat verwandelt Fassadenkunst in bleibende Stadtkultur
Mülheimer Künstler finalisiert Mural an der alten Tengelmann-Zentrale in der Ruhrtalstadt Mülheim – Kunst im öffentlichen Raum

Der Mülheimer Künstler Dennis Boszat hat sich mit seinen großflächigen Murals längst einen Namen gemacht. Schon früh beschäftigte er sich intensiv mit der Malerei – heute ist er ein gefragter Gestalter urbaner Fassadenkunst. Aktuell arbeitet Boszat an einem seiner bisher prominentesten Werke: einem Mural an der ehemaligen Tengelmann-Zentrale an der Schlossbrücke, unmittelbar neben dem früheren Kunstmuseum der Stadt Mülheim und dem alten RIO-Filmtheater.

Der Mülheimer Kunstverein KKRR kennt Boszat bereits seit den Zeiten, als der Kaufhof noch das Stadtbild prägte. Damals schmückte ein überdimensionaler „MülheimRuhr“-Schriftzug das Rolltor gegenüber – ein frühes Zeichen seines Gespürs für stadträumliche Wirkung.

Sein neues Werk entsteht derzeit in den Arkaden der allerersten Tengelmann-Zentrale – und bringt nicht nur Farbe, sondern auch Konzept in die Stadt: Gemeinsam mit dem Auftraggeber hat Boszat einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Damit wird sichergestellt, dass das Kunstwerk dauerhaft gepflegt und in gutem Zustand erhalten bleibt – ein bisher seltenes Modell in der urbanen Kunstlandschaft.
Ermöglicht wurde das Projekt auch durch das städtische Fassadenprogramm, das noch bis zum Auslaufen zur Realisierung beitrug. Denn eines ist klar: Hochwertige Kunst im öffentlichen Raum hat ihren Preis – und verdient zugleich nachhaltige Wertschätzung. Beteiligt war auch die Künstlerin Anna Littsa.

„Ich male nicht einfach nur Wände an – ich erzähle Geschichten“
Ein Interview mit Mural-Künstler Dennis Boszat zur Fassadengestaltung an der alten Tengelmann-Zentrale
Herr Boszat, Ihr neues Mural an der ersten Tengelmann-Zentrale in Mülheim an der Schlossbrücke zieht bereits viel Aufmerksamkeit auf sich. Was war Ihre Idee hinter diesem Werk?

Ich wollte ein Bild schaffen, das nicht nur dekorativ ist, sondern einen Dialog eröffnet – über Stadt, Erinnerung und Bewegung. Die dargestellten Figuren sind bewusst skizzenhaft – sie stehen für uns alle, die wir täglich durch die Stadt gehen, sie mit Leben füllen, aber auch Spuren hinterlassen.
Die Mischung aus realistischen Bäumen und stilisierten Personen ist auffällig. Wie kam es zu dieser Kombination?

Ich arbeite gerne mit Kontrasten. Die Natur im Hintergrund steht für Beständigkeit und Ruhe, während die skizzierten Figuren eher flüchtige Momente abbilden. Zusammen entsteht ein Spannungsfeld, das zur Reflexion anregen soll.
Besonders interessant: Sie haben mit dem Auftraggeber nicht nur Ihren Entwurf verfeinert sondern auch einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Was steckt dahinter?
Ich finde, Kunst im öffentlichen Raum verdient Pflege und Respekt – genauso wie Denkmäler oder Architektur. Mit dem Wartungsvertrag stellen wir sicher, dass das Werk auch in zehn Jahren noch wirkt, wie es gedacht war. Das ist ein neuer Ansatz, der hoffentlich Schule macht.

Ein Blick zurück: Der Mülheimer Kunstverein KKRR kennt Sie noch aus der Zeit des Kaufhof-Murals vor über 10 jahren. Was hat sich seither verändert?
Damals war alles ein bisschen wilder – spontaner. Heute arbeite ich konzeptueller, mit einem stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit und Wirkung im Stadtraum. Aber die Leidenschaft ist geblieben.
Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für die Mülheimer Kunstszene?
Mehr Mut! Kunst braucht Raum, nicht nur in Museen, sondern überall da, wo Menschen sich bewegen. Mülheim hat großes Potenzial – und viele Flächen, die Geschichten erzählen könnten. Demnächst sieht man mich hier in der Nachbarschaft auf dem Hubsteiger – eine weiteres großes Mural wird dann die Innenstadtbesucher erfreuen.
Danke für das Gespräch!
Kontakt zu Dennis Broszat / BROSART: Instagram #brosart






