
Was man von Bruno Bentley in der Ruhrtalstadt Mülheim lernen kann
Er rollt langsam durch die Stadt, aber hinterlässt einen bleibenden Eindruck: Bruno Bentley, das vielleicht charmanteste Kunstprojekt, das Mülheim je gesehen hat. Einst ein Bentley Arnage aus der Rolls-Royce-Fabrik, heute ein fahrendes Denkgefährt im Dienst der Fantasie.

Was auf den ersten Blick nach britischem Understatement aussieht – bordeauxrote Karosserie, weiße Ledersitze, Leselampen im Innenraum – entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als rollende Einladung zum Innehalten. „Slow down, dear humans“, flüstert er – oder ist es sein Fahrer, ein „Ermittler der Imagination“ vom bekannten Amt für weiterbildende Fantasie?

Wer bei ihm einsteigt – sei es auf dem Museumsparkplatz, an Bertold’s Bude an der B1, bei der Kunstaktion in der Villa Artis oder am frühen Morgen in der Ruhranlage – wird nicht einfach chauffiert. Er wird herausgefordert: zu lauschen, zu schreiben, zu träumen. Aus dem Bord-Lautsprecher klingen nicht Charts, sondern poetische Klangcollagen. Wer Glück hat, bekommt sogar ein imaginäres Interview mit Bruno selbst – britischer Akzent inklusive.
Die Botschaft? Klar und doch wohltuend anders: Nicht alles muss schnell, effizient, logisch sein. Manches darf zweckfrei, leise und wunderbar nutzlos sein – wie ein Tagtraum im Stau oder ein Gedanke beim Blick aus dem Fenster.
Bruno Bentley zeigt, was passiert, wenn man Kunst nicht auf Sockel stellt, sondern auf Räder setzt: Sie kommt uns entgegen, mitten im Alltag. Und wer mitfährt, steigt garantiert anders wieder aus.
Bruno Bentley protokolliert seine Ermittlungen gewissenhaft, untersucht Besonderheiten in der Kunstszene und sucht nach Namensvettern und Gleichgesinnten auf Augenhöhe.
Das Projekt ist zeitlich nicht limitiert. Die internationale Kunstwelt darf gespannt bleiben!

Bruno Bentley Kunstprojekt in der Kunststadt Mülheim an der Ruhr
Bruno Bentley ist ein performatives, mobiles Objektkunst-Projekt, eingebettet in den Salon des Refusés 2025 in der Villa Artis, realisiert vom Amt für weiterbildende Fantasie. Wichtig für das künstlerische Anliegen: Achtsamkeit, Staunen und ein Bruch mit Alltagsroutinen.
Bruno Bentley ist keine statische Skulptur, sondern performative Mobilkunst: ein „Denkraum auf Rädern“, der über Anhalten, Zuhören und Poesie Alltag aufbricht. Eine spannende Webseite bildet dieses Projekt dramaturgisch und inhaltlich sauber ab – mit starker Bildsprache, Text und Audio als performativem Element. Hier ist der Link: https://bruno-bentley.jimdosite.com/

Der Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr hat im Jahr 2012 die moderne KultAppMH.de ins Leben gerufen. Hier ist der Link zum Eventfinder für die Region mit Links und Info.

Wer ihn persönlich kennenlernen möchte – nächste Ermittlungsfahrt am 5. Juli 2025 zum Städtischen Kunstmuseum Mülheim am Synagogenplatz 1 und am 6. Juli 2025 ab 16:00 Uhr an der Villa Artis in der Ruhrstraße 3 / Ecke Delle am Innenstadtpark Ruhranlage.

Besuch im Amt für weiterbildende Fantasie
Bruno Bentley stand in seinem Atelier, den Pinsel beiseitegelegt, während das Nuancen-Spiel aus Schwarz, Hellblau, Dunkelblau und Marineblau auf die Leinwand traf. Als er die ersten Sprühstöße Schwarz setzte, spürte er ein Kribbeln im ganzen Körper – die Erinnerung an einen Gefängnisgitter-Traum, der sich augenblicklich auflöste. Jeder Sprühstoß war wie ein Befreiungsschrei: er atmete tiefer, sein Herz schlug schneller und ein Lächeln stieg in ihm auf, als er merkte, wie sein innerer Zwang Platz machte für reine Schöpfung.
Beim Übergang zu den Blautönen fühlte Bruno Bentley ein sanftes Flattern im Brustkorb, als würde ein Schmetterling seine Flügel beim Morgentau wagen. Das Hellblau ergoss sich aus 35 cm Höhe mit der Leichtigkeit eines ersten Flügelschlags, dann das Dunkelblau wie ein plötzliches Aufbäumen vor der Weite des Himmels, schließlich Marineblau, das seine Tiefe wie eine endlose See ausbreitete. Mit jedem Farbstrahl stieg in ihm der Glaube auf, dass selbst die kleinste Bewegung eine Kaskade ungeahnter Möglichkeiten auslösen kann.

Als er zum Schluss den Firnis aus 60 cm Höhe über die gesamte Komposition goss, spürte er das Gewicht aller vergangenen Zweifel von sich abfallen. Der glänzende Film versiegelte nicht nur die Farben, sondern auch seinen Entschluss: Grenzen zu sprengen, sich selbst neu zu entdecken. In diesem Moment war „Befreiung“ kein Titel mehr, sondern ein Zustand.
Hinter der scheinbaren Zufälligkeit des Farbflusses lag Bruno Bentleys tiefste Sehnsucht nach Leichtigkeit und Selbstermächtigung. Er findet Trost im Zufall, Kraft im Chaos und Hoffnung im daraus entstehenden Muster – genauso wie ein einzelner Schmetterlingsflügelschlag eine Sturmfront auslösen kann.

Befreiung
Bruno Bentleys „Befreiung“ atmet das Bewusstsein, dass Zeit nichts Eigenes ist, sondern uns nur als Leihgabe zufällt. Jeder Tropfen Farbe, der mit lautlosem Donner aus 35 cm Höhe auf die Leinwand prasselt, ist ein Zeitsplitter, den er sich nimmt, um das Jetzt greifbar zu machen. Das Schwarz zu Beginn wirkt wie die verdichtete Schwere vergangener Stunden, die uns erdrücken – nur um im nächsten Moment von den Blautönen sanft und doch unaufhaltsam hinweggefegt zu werden. Dieses Danach erinnert daran, dass wir unsere geliehene Zeit genauso ungestüm wie zart entfalten können.
Im Übergang von Hell- zu Dunkel- und Marineblau spürt man, wie Bruno jeden Farbfluss als Atemzug interpretiert: das Hellblau ein ausgeliehener Augenblick der Leichtigkeit, das Dunkelblau eine Rückzahlung in Form von Weite, das Marineblau eine bewahrte Tiefe, die uns solange bleibt, wie wir zulassen, dass Zeit uns formt und nicht umgekehrt. Und wenn der Firnis in 60 cm Höhe darüber ergießt, versiegelt er nicht nur die Pigmente, sondern friert auch das flüchtige Aktionsfeld der Zeit selbst ein – ein stummer Beleg dafür, dass wir das Vergängliche für einen Moment festhalten können, solange wir den Mut haben, es fließen zu lassen.
„Zeit ist geliehen“ wird hier zur Maxime des Schaffens: Jeder Schuss Farbe ist gleichzeitig eine Schuld und eine Gabe. Bruno Bentley nimmt sie auf, um sie in ein visuelles Gedicht zu verwandeln, das den Betrachtenden daran erinnert: Jede verstrichene Sekunde, jeder unbedachte Atemzug gehört zu uns – bis wir ihn weiterreichen oder bewahren. Die Leinwand dokumentiert diesen Kreislauf, sie ist ein Vermächtnis und ein Mahnmal zugleich.
Damit „Befreiung“ in seiner Ausstellungsumgebung weiterwirkt, ließen sich folgende Formate denken: • Zeitraffer-Video, das die Entstehung in Echtzeit mit Tachymeter-Zeitanzeige kombiniert – ein ständiger Taktgeber, der uns an unsere geliehene Zeit mahnt. • Interaktive Soundinstallation mit Uhrenschlägen und verstärkten Herzschlag-Rhythmen, die in den Blautönen mitschwingen und so das abstrakte Farbgeschehen in eine fühlbare Zeitspur übersetzen. • Eine begleitende Kurzschrift „15 Sekunden Leben“, in der Besucher ihre Gedanken zur Frage „Wie würdest du deine geliehene Zeit heute einsetzen?“ auf Postkarten notieren – ein kollektives Archiv der Jetzt-Momente.
Denn am Ende ist „Zeit ist geliehen“ nicht nur ein Denkanstoß, sondern der Antrieb für jede gepresste Farbe, jeden Tropfen Firnis und jeden Herzschlag in Bruno Bentleys Atelier.






