
Dieses Werk greift das Motiv des Perserteppichs auf und spielt offenbar mit Form, Textur und kultureller Symbolik. Der Teppich ist nicht einfach als Bodenobjekt dargestellt, sondern als kunstvoll drapierter, fast skulpturaler Stoff. Das hat mehrere denkbare Bedeutungen:
1. Ästhetische Hommage
Die Malerin zeigt die visuelle Komplexität und Schönheit persischer Teppichmuster.
Die Detailtreue ehrt die Handwerkskunst dieser traditionellen Textilien.
2. Abstraktion oder Transformation
Durch die Vergrößerung und das Fehlen eines klaren Kontexts wird das Objekt abstrahiert.
Der Teppich wird zur Landschaft, Skulptur oder fast zum Körper – das kann den Betrachter irritieren oder faszinieren. Soll er – so aufgerollt und geknickt – etwa entsorgt werden – weil nicht mehr zeitgemäß?
3. Kulturelle Referenz
Perserteppiche sind Symbole für Kultur, Geschichte und Identität des Iran.
In einem westlichen Ausstellungskontext können sie Fragen nach Orientalismus, Aneignung, Globalisierung oder Nostalgie oder Wechsel aufwerfen.Foto: Mülheimer Kunstverein KKRR / VG Bild-Kunst, Bonnhochgeladen von Alexander Ivo Franz

In dieser Reihe stellen wir Kunstschaffende vor, die sich am diesjährigen Salon des Refusès in der Villa Artis beteiligen – heute Pia Winkenstern.
Aktuell wendet sich Pia Winkenstern der feinen Ölmalerei zu – naturalistisch bis zur Ununterscheidbarkeit von Fotografie. In der Ausstellung Salon des Refusés in Mülheim präsentiert sie ein besonderes Werk: einen zusammengerollten und verstauten Orientteppich, der auf der Leinwand wie ein monumentales Gebirge erscheint. Ein stilles, aber eindrucksvolles Spiel mit Wahrnehmung und Realität – ein echter Hingucker.

Pia Winkenstern, 1974 in Alsfeld geboren, fand ihren Weg zur Kunst auf einem ungewöhnlichen Weg: Nach dem Abschluss der Fachhochschulreife 1992 arbeitete sie fast zwei Jahrzehnte im Polizeivollzugsdienst, zuletzt bei der Kriminalpolizei. Die intensive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen, Macht und Täuschung prägte früh ihr künstlerisches Denken. Parallel dazu begann sie ihre Ausbildung in Freier Malerei: Zunächst von 2008 bis 2010 an der Städelschule Frankfurt bei Prof. Christa Näher, anschließend an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Karin Kneffel.
Winkensterns Werk kreist um das Spannungsverhältnis von schöner Oberfläche und harscher Realität. Ihre Arbeiten entlarven gesellschaftliche Lügen, Machtstrukturen und die Trugbilder der Politik. Die Künstlerin beginnt oft mit einem malerischen Zugriff auf ein Thema, erweitert es später in Installationen oder objekthaften Arbeiten. So etwa beim Schriftzug „Perfection“, den sie aus Munitionshülsen formte – zwei Einschusslöcher inklusive. Immer wieder spielt auch die Auseinandersetzung mit Geschlecht und Identität eine zentrale Rolle: In einem Automatenprojekt spuckt eine Acrylkugel nach Münzeinwurf Teile von Männer- und Frauenunterwäsche aus – ein Werk über Zwittertum, nicht Fetisch, wie Winkenstern betont. Sie will keine Missverständnisse, sondern Diskussionen anstoßen.
Seit 2012 ist Pia Winkenstern regelmäßig auf Ausstellungen vertreten – ausschließlich in Deutschland, überwiegend in Gruppenausstellungen. Zu den wichtigsten Stationen zählen das Lehmbruck Museum in Duisburg (Vor Ort, 2018), das Stadtmuseum Düsseldorf (Check Your Dogma, 2024), der Kunstverein Wesseling (Punkt ohne Wiederkehr, 2012) sowie Kunstvereine in Kirchzarten und Landshut. Ihre Arbeiten wurden unter anderem gemeinsam mit denen von Thomas Breitenfeld und Eva Blanche gezeigt.
Pia Winkenstern nutzt die Mittel der Malerei und Objektkunst, um den schönen Schein zu hinterfragen und das dahinter Lauernde freizulegen. Ihre Kunst will nicht nur betrachtet, sondern gelesen, hinterfragt – und ausgehalten werden.

Historisches Kunstereignis in der Stadt Mülheim an der Ruhr
Ein historisches Kunstereignis wiederholt sich in der Ruhrtalstadt Mülheim in Nordrhein-Westfalen – der Salon des Refusés in der Villa Artis am Ruhrufer.
Mit der Schau soll das breite Spektrum der Kreativen Menschen, die sich mit der Ruhrtalstadt Mülheim in Nordrhein-Westfalen verbunden fühlen eindrucksvoll auf über 1.300 Quadratmetern präsentiert werden: Skulpturen und Plastiken, Malerei, Fotografie, Installationen und Drucktechniken – alles ist hier vertreten – die Kunstwerke können erworben werden.
Weitere Info zum Festprogramm auch auf der offiziellen Webseite der Veranstaltung:
https://salon-des-refuses.jimdofree.com
Kunstwerke-Versteigerung
Ein weiteres Highlight der Veranstaltung ist die
GROSSE BENEFIZ KUNST-AUKTION am So. 6. Juli 2025 ab 16 Uhr
für das Projekt „Wünschewagen (Erfüllung eines letzten Wunsches für Schwerstkranke)“.

Originale – auch aus Sammlungen in Zusammenarbeit mit dem „Kunstmuseum Mülheim MMKM Museum Moderne Kunst Mülheim an der Ruhrstr. 3“ für den GUTEN ZWECK zu SEHR GUTEN KURSEN wie bereits in der Vorjahren zu erwerben!
Auch hier ist der „Orientteppich“ Kunstobjekt
Die letzte Kunstfahrt des Mülheimer Kunstvereins KKRR führte nach Metz zur Ausstellung „Unendlicher Sonntag“ im dortigen Centre Pompidou – ein poetischer, politischer und künstlerischer Streifzug durch die Sammlung des Musée national d’art moderne. Sie läuft noch bis zum 2. Februar 2027 und nutzt buchstäblich alle Räume des Museums, vom Forum bis zu den Dächern und ist sehr zu empfehlen.Die Ausstellung ist mehr als eine klassische Werkschau – sie ist eine Einladung zur Entschleunigung, zur Reflexion über Zeit, Gemeinschaft und das Museum als sozialen Raum. Der Titel „Unendlicher Sonntag“ spielt auf einen Zustand an, in dem der Alltag stillsteht – ein Sonntag ohne Montag, ein Raum zwischen Freizeit und Revolte.
Besonders spannend: Die Schau bringt Werke aus allen Medien – Malerei, Skulptur, Video, Installation – in Dialog mit Maurizio Cattelans künstlerischer Handschrift. Und sie macht das Museum selbst zum Teil der Inszenierung: mit Teppichen, Ruhezonen, offenen Räumen und performativen Elementen.
Foto von der Kunstfahrt nach Metz – des Mülheimer Kunstvereins KKRR Mai/Juni 2025 Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

So motiviert entstand der „Mülheimer Kunstsonntag“ – ein Format des Mülheimer Kunstvereins KKRR – demnächst mehr! Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz






