
Der „Salon des Refusés“ in Mülheim an der Ruhr: Bühne für das Abgelehnte, Raum für das Unangepasste
Einlieferungen können noch erfolgen!
„Was Prunkstück der Ausstellung ist – bestimmt bei uns ausschließlich der Betrachter!“ so ein Mitglied des aktiven Mülheimer Kunstvereins KKRR.
Mülheim an der Ruhr – Noch ist die Farbe an manchen Werken kaum trocken, doch der „Salon des Refusés“ wirft bereits seine Schatten voraus. Am 15. Juni 2025 öffnet die Ausstellung in der traditionsreichen Villa Artis am Rand der Ruhranlage ihre Türen – und bietet auf über 1.300 Quadratmetern eine Bühne für all jene Kunstwerke, die bei der „Biennale Mülheim Calling“ keine Chance erhielten. Eine Entscheidung, die für Diskussionen sorgt – und für kreative Impulse.

Immer mehr Künstlerinnen und Künstler liefern ihre abgelehnten Arbeiten ein, viele davon mit einer klaren Haltung gegen die Regeln des Kunstmarktes. „Da haben doch nur Insider eine Chance“, heißt es aus der Szene. Besonders kontrovers: Die Jury der Biennale hatte auf einen Stichtag bestanden – nur Werke die ab dem 1. Januar 2023 fertiggestellt wurden waren zugelassen. Was davor – z.B. in CORONA-Zwangspause – entstand, galt als „nicht aktuell genug“.
Ganz anders der „Salon des Refusés“, organisiert vom „Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR“: Hier bestimmt allein die Künstlerschaft, was gezeigt wird – und wie. Das frei zusammengestellte Hängungsteam ist bereits im Aufbau begriffen und berichtet von „ersten Überraschungen“: Zwischen fein gestickten Miniaturen und monumentalen Großinstallationen (darunter ein Werk mit 3×3 Metern Fläche) füllt sich die historische Ausstellungshalle mit Kunst, die sonst keinen Platz gefunden hätte. Und doch: Es bleibt noch Raum für Nachzüglerinnen und Nachzügler – auch ist ausreichend Platz für Skupturen.
Ein Werk, das nicht schweigt:
JOTT KAA und die Knocheninstallation „TODESFUGE. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“
Ein besonderer Höhepunkt kündigt sich mit der großformatigen Arbeit des Mülheimer Künstlers JOTT KAA an. Der 1954 in Dortmund geborene Künstler studierte Visuelle Kommunikation an der renommierten Folkwangschule in Essen sowie auf Lehramt mit den Fächern Geschichte, Kunst und Philosophie. Seit über drei Jahrzehnten prägt er mit kritischen, oft unbequemen Arbeiten die freie Kunstszene der Region. Seine Mitgliedschaft im Westfälischen Künstlerbund Dortmund unterstreicht sein dauerhaftes Engagement. Heute lebt und wirkt er in der Ruhrtalstadt Mülheim.
Mit seiner diesjährigen Installation im „Salon des Refusés“ sorgt JOTT KAA für Aufsehen – und für Nachdenken. Im Zentrum der großformatigen Arbeit: ein düster gerahmter Kreis, durchzogen von einem brüchigen Gebilde aus echten Knochen, das unweigerlich an ein Hakenkreuz erinnert. Ein Tabu? Mitnichten. „Es geht mir nicht um Provokation“, erklärt der Künstler im Gespräch, „sondern um Erinnerung – und um den Zerfall von Symbolen, die nie wieder Macht gewinnen dürfen.“
Die Knochen – brüchig, fragmentiert, ohne erkennbare Ordnung – erzählen von Gewalt, Vergänglichkeit und dem Scheitern ideologischer Systeme. Besonders eindrucksvoll: Die Installation verlässt die Wand, breitet sich auf dem Boden aus, als wolle sie sich ihrer eigenen Form entziehen. „Das Zeichen wankt“, so JOTT KAA. „Es soll kein stehendes Bild sein, sondern ein bewegtes Mahnmal – eines, das sich jeder Vereinnahmung entzieht. Das berühmte und erschütternde Gedicht von Paul Celan (1920-1970) aus der Zeit 1944/1945 stand Pate – es wird vor Ort zum besseren Verständnis des Exponats beitragen. Mein Werk ist auch eine Hommage an Paul Celan“, so JOTT KAA.
Seine Arbeit ist ein Weckruf – kein Denkmal, sondern eine offene Wunde. Ein Beitrag zur Erinnerungskultur, der aufrüttelt statt beruhigt. Und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, warum es den „Salon des Refusés“ braucht der mit weiteren spannenden Kunstwerken aufwartet – die Mülheimer Kunstwelt, Kunstinteressierte und Kunstengagierte dürfen gespannt sein.
Ruhrpreisträger Sven Piayda stellt aus

„Eternal Silence“
Holzbox mit unbespieltem Endlostape-Audiokassette
6 x 40 x 30 cm
2025
Bei der Arbeit Eternal Silence handelt es sich um ein recht einfach gehaltenes Multiple, das an der Schnittstelle von Assemblage und Soundarbeit operiert. Platziert in einer Raumecke schmiegt sich die lange Seite der kleinen Holzkiste an die lange Wand des Raumes. In der Kiste liegt eine Audiokassette, die die räumliche Lage noch einmal spiegelt.
Größe und Proportion der Holzbox sowie die Position der Kassette erinnern an ein Kassettenradio. Die Audiokassette enthält ein unbespieltes Endlosmagnetband. Selbst wenn eine technische Vorrichtung zum Abspielen des Tonträgers vorhanden wäre, bliebe das Ergebnis endlose Stille.
Die Arbeit zählt zu den wenigen Multiples in Sven Piaydas Portfolio. Wie seine Fotografien, Video- und Soundinstallationen reflektiert auch diese Assemblage ihre eigene Medialität, Möglichkeiten und Begrenztheit.
Besichtigung ab Sonntag, 15. Juni 2025, ab 16 Uhr in der Villa Artis, Mülheim an der Ruhr
u.a. mit einer spannenden Lesung von Pino Guiseppe in der Beletage der Villa Artis
Öffnungszeiten: nach Vereinbarung bei Interesse auch für Gruppen bis einschließlich 8. Juli 2025
Eintritt und Führungen: stets frei – Sonderprogramm am Sonntag 6. Juli 2025 u.a. mit BENEFIZ-Kunstversteigerung ab 16 Uhr (Eintritt & Führungen stets frei!).
Veranstalter: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr e.V. (KKRR)
„Der Salon des Refusés zeigt: Ablehnung kann der Anfang von etwas Größerem sein.“
Alle Infos für Kreative die sich beteiligen möchen sind auf einer speziellen Webseite
ersichtlich – hier die LINK dazu:
ES SIND U.A. WERKE ZU SEHEN VON:
Hans Arts / Wolfgang Barkowski / Heidi Becker / Bernhard Braun / Jürgen Brinkmann / Marion Callies / Manfred Dahmen / Michael Dahlke, Gruppe AnDer / Gudrun Deutsch / Aliv Franz / Lutz Gierig / Gregor Gossen / Paul Rainer Heicappell / Eva Henning / Janet Kempgen / Petra Klimsch / Gerhard Krausekrause / Bernd Kirstein – Einsdreißig / Claus-Peter Laube / Gisela Lentz / Lubens / Lore Mohr / Ute Nowak / Fred Poeller / Edith Polland-Dülfer / Sven Piayda / Franz Püll / Felix Rohrschneider / RSN Thomas Rosen / Martin Sieverding / Christa Silberkuhl / Tetiana Shvartsman / JOTT KAA / Kirsten Uecker / Wolfgang Vogelsang / Pia Winkenstern / Klaus Wiesel / Ali Yadegar-Youssefi / Brigitte Zipp
Ausblick auf die folgenden Veranstaltungen des Mülheimer Kunstvereins KKRR:
Der Duisburger Kunstverein stellt in der Ruhrtalstadt Mülheim aus – alle Räume der VILLA ARTIS werden gefüllt mit neuen Impulsen aus der Nachbarstadt Foto: Duisburger Kunstverein hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Höhepunkt unserer Ausstellungreihe „FRIEDEN, EUROPA, GRUNDGESETZ“ mit der Schau „Wir können uns auf nichts berufen“ – z.B. Thematisierung Grundgesetz und Kommune als dritte Säule des Staates u.v.a.m. Foto: Mülheimer Kunstverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz







