
Am vergangenen Sonntag wurde der Internationale Museumstag auch in Mülheim an der Ruhr zu einem besonderen kulturellen Erlebnis: Im Kunstdepot des Mülheimer Kunstvereins KKRR in der Villa Artis öffneten sich erstmals die Tore zu einem bislang verborgenen Schatz – dem umfangreichen Nachlass der kürzlich verstorbenen Mülheimer Künstlerin Gisela Lentz (1926–2024). Der Mülheimer Kunstverein lud ein – und die Kunstliebhaber kamen zahlreich.
Ein stiller Star mit großer Wirkung
Mülheimer Künstlerin Gisela Lentz (1926-2024) – Selbstporträt, Kreidezeichnung Foto: Mülheimer Kunstverein KKRR – Sammlung „permanenta“ hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Gisela Lentz war vieles: Malerin, Mutter, Pädagogin, Pionierin. Nach ihrem Studium an der renommierten Folkwangschule stellte sie ihre eigene künstlerische Karriere zunächst hintan, um sich ihrer Familie zu widmen. Doch sie fand ihren Weg in die Kunst zurück – entschlossen, sensibel, kraftvoll. Gemeinsam mit Mülheimer Künstlerinnen wie Ursula Vehar, Lore Mohr, Gretel Just-Heinzerling, Edith Polland-Dülfer und Ilse Otten behauptete sie sich in der männlich dominierten Kunstszene der Nachkriegszeit. Lentz nahm u.a. in den 80er Jahren Unterricht bei Sigrid Beuting.

Ein Vermächtnis für kommende Generationen
In ihren letzten Schaffensjahren wurde Lentz nicht nur zur Mentorin, sondern zur Brückenbauerin. Besonders ihr Engagement für benachteiligte Jugendliche hinterließ Spuren. „Ihre Bilder sprechen, aber ihr Einsatz in der Kunstvermittlung war ihr vielleicht das Wichtigste“, sagt eine Besucherin sichtlich bewegt vor einer großformatigen Collage aus den späten 1990er-Jahren.
Ein Ort voller Leben – trotz Archivstaub
Der sonst stille Depotraum in der historischen Kunstvilla Artis verwandelte sich für einen Nachmittag in ein lebendiges Forum: Zwischen Regalen, Staffeleien und Archivkästen kamen Besucherinnen und Besucher miteinander ins Gespräch, Kunst wurde wiederentdeckt, Erinnerungen wurden geteilt. Die präsentierten Werke – von expressiven Landschaften über stille Porträts und Stillleben bis hin zu unzähligen Aktdarstellungen – zeugen von der Vielseitigkeit und emotionalen Tiefe der Künstlerin.

Der Auftakt einer Wiederentdeckung
Der Mülheimer Kunstverein KKRR kündigte an, dass dies erst der Anfang sei. Weitere Veranstaltungen, Ausstellungen und Vermittlungsangebote rund um das Werk von Gisela Lentz seien geplant. „Sie gehört zu Mülheim – nicht nur in die Archive, sondern in die Gegenwart unserer Stadt“, betonte eine Sprecherin des Vereins, der neben der Betreuung seiner Kunstsammlung auch mehrmals im Jahr spannende Kunstfahrten unternimmt.

Mit einem Glas Sekt, angeregten Gesprächen und dem Gefühl, einer Großen der Mülheimer Kunstszene ganz nah gewesen zu sein, endete ein Nachmittag, der mehr war als ein Museumstag – er war ein emotionaler Auftakt zur Wiederentdeckung eines beeindruckenden Lebenswerks.
„Blumenpracht“ Malerei von Gisela Lentz Foto: Kunststadt-MH.de hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Ausstellung „Money and Kids“ Schüler von Gisela Lentz in der Sparkasse Mülheim (Juli 2010) Foto: Kunststadt-MH.de hochgeladen von Alexander Ivo FranzKunst soll nicht im Museumsdepot verstauben
Kunstversteigerung Sonntag. 6. Juli 2025 17 Uhr Ruhrstr. 3 / Ecke Delle Foto: Wünschewagen/RuhrGallery hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Einige der Arbeiten von Gisela Lentz werden am 6. Juli 2025 ab 17 Uhr in der Villa Artis für einen guten Zweck versteigert: „Wir wollen, dass die Arbeiten nicht – wie in vielen Museen – für immer im Depot verschwinden. Sie sollen Menschen nachhaltig und täglich erfreuen“, so war zu erfahren.
Der Gesamterlös kommt diesmal der Aktion „Wünschewagen“ zugute – der Erfüllung eines letzten Wunsches Schwerstkranker durch den Verein ASB.






