
Meisterwerk mit zwei Gesichtern: Was wollte Lucie Rivel verbergen?
Mülheim an der Ruhr – Ein besonderes Kunstwerk der französischen Malerin Lucie Rivel (1910-1995) bereichert derzeit die Sammlungsausstellung PERMANENTA des privaten Kunstmuseums „MMKM Museum Moderne Kunst Mülheim“ in der Ruhrstraße 3 / Ecke Delle.
Das Verso – ausgestellt als „Stilllebens mit Blumenstrauß“ ist auf beiden Seiten der Leinwand bemalt – auf der zweiten Seite zeigt es einen nackten Jüngling in ein Buch vertieft.

Damit präsentiert sich dem Betrachter ein faszinierendes doppelseitiges Gemälde, das eine spannende Frage aufwirft: Warum verbarg Rivel den nackten Jüngling auf der Rückseite der Leinwand? War es ein künstlerisches Spiel mit der Wahrnehmung oder eine bewusste Entscheidung, etwas zu verstecken?
Die 1910 in Metz geborene Künstlerin Luicie Rivel, mit bürgerlichem Namen Lucie Hartenstein verheiratete Meyer, gehörte zu den prägenden französischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie studierte an der renommierten Académie Julian in Paris bei Pierre Jérôme, André Planson und Claude Schürr und setzte sich intensiv mit der Malweise El Grecos auseinander. Ab 1960 engagierte sie sich stark in der Kunsterziehung, leitete zahlreiche Kurse und formte in Juvisy-sur-Orge ein kreatives Zentrum für Nachwuchskünstler aus aller Welt.

Das aktuell im MMKM ausgestellte Werk besticht durch seine doppelseitige Gestaltung, die zwei verschiedene Motive miteinander verbindet. Auf der einen Seite ein welkender Blumenstrauß, auf der Rückseite die subtile Silhouette eines nackten Jünglings, der sich aus der Komposition herauslöst. Die bewusste Entscheidung, die Rückseite der Leinwand ebenfalls zu bemalen, wirft Fragen auf: Sollte der Jüngling verborgen bleiben? Wollte Rivel eine zweite, geheime Ebene schaffen? An Leinwand fehlte es ihr sicherlich nicht! Diese für Rivel typische Verschmelzung von Elementen ist charakteristisch für ihr Schaffen, das Kritiker wie Patrick-F. Barrer als „Symbiose aus Impressionismus, Figuration und Abstraktion“ beschrieben haben.
Rivel, die ihre Werke in namhaften Galerien und Museen weltweit präsentierte – darunter in Paris, London, Moskau und Wien –, genießt in Kunstkreisen hohes Ansehen. Ihre Fähigkeit, Stimmungen mit leuchtenden Farben einzufangen und Strukturen aufzulösen, verleiht ihren Bildern eine besondere Ausdruckskraft.
Das MMKM Museum Moderne Kunst Mülheim bietet mit dieser Ausstellung eine seltene Gelegenheit, die Kunst von Lucie Rivel in ihrer ganzen Tiefe zu erleben. „Hinter dem Blumenstrauß verbirgt sich ein Jüngling“ lädt den Betrachter ein, nicht nur die sichtbaren Details zu bewundern, sondern auch die verborgene Erzählung hinter den Farben zu entschlüsseln. Ein Meisterwerk mit zwei Gesichtern – und zwei Geschichten.
Auch Heinrich Siepmann nutzte das Verso
Ein weiteres Verso der Sammlung, eine Malerei des Mülheimer Künstlers Heinrich Siepmann aus dem Jahr 1945 zeigt auf der einen Seite den „Totentanz“ auf der anderen das grüne Ruhrtal – auch hier wollte der Künstler der Nachwelt eine Botschaft hinterlassen!
Über die Künstlerin
Lucie Rivel, geboren als Lucie Clémentine Marie Hartenstein am 24. April 1910 in Metz, war eine französische Malerin. Sie studierte ab 1941 an der Académie Julian in Paris bei Pierre Jérôme, André Planson und Claude Schürr, wobei sie sich besonders mit den Werken von El Greco beschäftigte. Der Künstlername „Rivel“ ist ein Anagramm des Mädchennamens ihrer Mutter, Marie Viller.
1965 wurde sie zum Chevalier des Palmes académiques des Beaux-Arts de Paris ernannt, und 1968 erhielt sie die Goldmedaille des Salon des artistes français.
Lucie Rivel verstarb im Februar 1995 in Juvisy-sur-Orge.
Über den Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr – KKRR

Im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 wurde der KKRR in der Ruhrtalstadt Mülheim als Trägerverein des MMKM und der RuhrGallery in der Villa Artis gegründet. Seither hat der Verein über 300 Ausstellungen realisiert. Er erweitert ständig seine Sammlung „PERMANENTA“ und führt Kunstfahrten ins In- und Ausland durch. Weitere Information hier mit diesem Link:
Alle Events rund um die Kunst in der Ruhrtalstadt findet man mit der ‚KultAppMH.de‘




