Botschafterinnen aus der Ukraine in Mülheim: Kunst zwischen Tradition und Neubeginn: Mülheim an der Ruhr – Die Ruhrtalstadt wird derzeit zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Begegnung von Kunst und Kultur

"Alles hat ein Ende - nur die Wurst hat zwei" - Scherenschnitt von Oksana Kuznetsova in der Ausstellung "EINTAUCHEN" in der Ruhr Gallery Mülheim | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
„Alles hat ein Ende – nur die Wurst hat zwei“ – Scherenschnitt von Oksana Kuznetsova in der Ausstellung „EINTAUCHEN“ in der Ruhr Gallery MülheimFoto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRRhochgeladen von Alexander Ivo Franz

Botschafterinnen aus der Ukraine in Mülheim: Kunst zwischen Tradition und Neubeginn
Mülheim an der Ruhr – Die Ruhrtalstadt wird derzeit zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Begegnung von Kunst und Kultur: Drei ukrainische Künstlerinnen – Tetiana Shvartsman, Viktoriia Solohubova und Oksana Kuznetsova – präsentieren ihre Werke in einer gemeinsamen Ausstellung, die Malerei, Grafik und Fotografie zu einer eindrucksvollen Symbiose vereint.

Eröffnungsrede von Viktoriia Solohubova zur Schau "EINTAUCHEN" in der Ruhr Gallery | Foto: Jürgen Brinkmann
Eröffnungsrede von Viktoriia Solohubova zur Schau „EINTAUCHEN“ in der Ruhr Gallery Foto: Jürgen Brinkmann hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Unter dem Titel „Zwischen Tradition und Neuanfang“ erzählen die Künstlerinnen von ihrer Reise, die sie aus ihrer bewegten Heimat in die kulturelle Vielfalt des Ruhrgebiets geführt hat. Farben, Formen und Perspektiven verschmelzen dabei zu einer künstlerischen Erzählung, die tief in die Themen Heimat, Veränderung und Ankunft eintaucht.

Skizzenbuch von Tetiana Shvartsman: "Überraschungen beim Durchblättern" | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRRSkizzenbuch von Tetiana Shvartsman: „Überraschungen beim Durchblättern“ Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo FranzKunst im Zeichen des Wandels

Tetiana Shvartsman verarbeitet in ihren farbintensiven Gemälden die Herausforderungen und Chancen des Ankommens in der Fremde. Die Reise von Odessa nach Mülheim hat Spuren hinterlassen, die sich in ihren emotionalen und ausdrucksstarken Arbeiten widerspiegeln. Sie verbinden ihre ukrainischen Wurzeln mit neuen Erfahrungen und schaffen so eine eindrucksvolle Brücke zwischen zwei Welten.

Beindruckend und berührend - Malerei von Viktoriia Solohubova "Die Daheimgebliebenen" in der Schau "EINTAUCHEN" Ruhr Gallery Mülheim in Nordrhein Westfalen
Im Hintergrund auf den Fensterscheiben "Optische Poesie" von Wolfgang Kleinöder | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Beindruckend und berührend – Malerei von Viktoriia Solohubova „Die Daheimgebliebenen“ in der Schau „EINTAUCHEN“ Ruhr Gallery Mülheim in Nordrhein Westfalen
Im Hintergrund auf den Fensterscheiben „Optische Poesie“ von Wolfgang Kleinöder Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Viktoriia Solohubova nähert sich in ihren Arbeiten den universellen Fragen des Lebens. Ihre Ölmalereien und Grafiken, die unter dem Thema „Eintauchen“ stehen, laden Betrachter ein, sich mit der Natur, den Tiefen der Emotionen und der Essenz menschlicher Existenz auseinanderzusetzen. Ihre Werke beeindrucken durch ihre feinfühlige Ästhetik und ihre zugleich kraftvolle Bildsprache.

Spektakuläre Präsentation der Arbeiten - Verneigen vor großartiger Fotokunst von Oksana Kuznetsova  | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Spektakuläre Präsentation der Arbeiten – Verneigen vor großartiger Fotokunst von Oksana Kuznetsova Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Die Ausstellung wird von den Fotografien von Oksana Kuznetsova ergänzt, die mit ihrem Blick für Details den Zauber flüchtiger Momente einfängt. Ihre poetischen Bilder erzählen Geschichten von Vergänglichkeit, Heimat und Neubeginn und schlagen leise, aber eindringliche Töne an.

"Ein Wort zur Ausstellung" von Oksana Kuznetsova  (siehe Zitat in diesem Artikel in voller Länge) | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR„Ein Wort zur Ausstellung“ von Oksana Kuznetsova (siehe Zitat in diesem Artikel in voller Länge) Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo FranzEin Wort zur Ausstellung

„Unsere gemeinsame Ausstellung heißt ‚Eintauchen‘ – warum? Weil sie in Bildern und Fotos unsere Erfahrung des ‚Eintauchens‘ in eine neue Umgebung, in ein neues Land, in einen neuen persönlichen Status als Flüchtling, in neue soziale und zivile Realitäten, schließlich in einen neuen städtischen Raum zeigt.

Künstlerin Oksana Kuznetsova bei der Vernissage "EINTAUCHEN" in der Ruhr Gallery Mülheim | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Künstlerin Oksana Kuznetsova bei der Vernissage „EINTAUCHEN“ in der Ruhr Gallery Mülheim Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Dieses ‚Eintauchen‘ war für uns sowohl angenehm als auch lehrreich. Diese neue Erfahrung, in einem neuen Land und mit einem neuen Status zu leben, hat uns sicherlich bereichert. Sie hat uns nicht nur in Bezug auf die weltlichen Erfahrungen bereichert, sondern auch in Bezug auf die ästhetischen Genüsse.

Malerei von Viktoriia Solohubova mit Eindrücken ihrer neuen Heimat "Mülheim an der Ruhr" | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Malerei von Viktoriia Solohubova mit Eindrücken ihrer neuen Heimat „Mülheim an der Ruhr“ Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Die Schönheit Deutschlands, seine Naturlandschaften und architektonischen Komplexe, berührten unsere Seelen und führten schließlich zu diesen künstlerischen Arbeiten. Jedes meiner Fotos wurde mit dem gleichen ‚doppelten‘ Gefühl aufgenommen – dem Gefühl einer leichten Sehnsucht nach meiner Heimat und dem Gefühl der Dankbarkeit und Rührung für den neuen schönen Ort, an dem ich mich befand. Dieses komplexe, doppelte Gefühl beinhaltete auch Dankbarkeit gegenüber Gott und Deutschland für ihre Gnade und Hilfe.
Ich möchte auch über ein besonderes Gefühl sprechen, das ich nur in Deutschland hatte, als ich die städtischen Räume in Deutschland betrachtete – ich sah einen lebendigen, intelligenten Gedanken in der Planung des städtischen Raums, einen Gedanken mit Sorgfalt für die Menschen. Das Aussehen der städtischen Räume ist hoch ästhetisch, und gleichzeitig haben sie zutiefst funktionale Qualitäten.
(Besonders interessant und angenehm ist für mich der Verkehrsknotenpunkt im Zentrum von Mülheim, in dem so viel kluges Ingenieurdenken steckt – ich kann nicht aufhören, es zu genießen, auf verschiedenen Wegen durch die Innenstadt zu gehen.)

Kleine Geschenke von Oksana Kuznetsova für die Besucherinnen und Besucher ihrer Fotoausstellung in der Ruhr Gallery - eine schöne bleibende Erinnerung! | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Kleine Geschenke von Oksana Kuznetsova für die Besucherinnen und Besucher ihrer Fotoausstellung in der Ruhr Gallery – eine schöne bleibende Erinnerung! Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Ich möchte auch Folgendes sagen: Die hier präsentierten Fotos erheben nicht den Anspruch, von besonderem künstlerischen Wert zu sein; sie sind eine Hommage an meine Liebe zu dem schönen Ort, an dem ich mich befand. Sie wurden alle in Momenten aufgenommen, in denen ich von meinen inneren Gefühlen abgelenkt war und meine seelischen und realen physischen Augen auf die äußere Welt richtete, in denen ich von den inneren Gefühlen (in denen ein Mensch die äußere Welt vielleicht gar nicht wahrnimmt) auf die äußere Betrachtung umschaltete. Und dann begegnete ich diesen schönen Momenten der Realität, geschaffen durch die Hände und Gedanken der deutschen Menschen – und ich freute mich, freute mich mit einer stillen und traurigen Freude…
In der Ausstellung werden auch einige Werke in der Technik des Scherenschnitts (Durchschneidens) von Bildern gezeigt, die auf Ukrainisch ‚vytynanka‘ heißt und mit ‚ausschneiden‘ übersetzt werden kann.

Scherenschnitt von Oksana Kuznetsova - das Fotografieren ihrer ersten Arbeitsstelle nach der Flucht nach Deutschland - eine Wurstfabrik in Mülheim - ist verboten - daher nutzte sie die plakative Darstellung um ihren Erlebnissen Ausdruck zu verleihen. | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Scherenschnitt von Oksana Kuznetsova – das Fotografieren ihrer ersten Arbeitsstelle nach der Flucht nach Deutschland – eine Wurstfabrik in Mülheim – ist verboten – daher nutzte sie die plakative Darstellung um ihren Erlebnissen Ausdruck zu verleihen. Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Diese Werke sind der Wurstwarenhandlung gewidmet, in der ich fast ein Jahr lang gearbeitet habe; sie sind aus der Erinnerung heraus entstanden. Dieser Abschnitt meines Lebens war für mich angenehm und ungewöhnlich. Ich liebte die Ästhetik der Lebensmittelproduktion, ich liebte die Wurstherstellungsmaschinen, die Verpackungsmaschinen, ich liebte die Farbgebung (die sich in diesen Werken nicht widerspiegelt – sie sind bewusst minimalistisch gehalten, wenn ein künstlerisch bedeutsamer realer Gegenstand zum Zeichen erhoben wird), ich liebte die Arbeitskleidung und die Schuhe.

Hommage an die Ukraine - ein Kunstwerk von Reinhard Fingerhut in der Ruhr Gallery | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Hommage an die Ukraine – ein Kunstwerk von Reinhard Fingerhut in der Ruhr Gallery Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Meine Kollegen hätten besondere Aufmerksamkeit verdient, aber ich habe keine Fotos von ihnen, und sie bleiben nur in meiner Erinnerung, obwohl ich zwei Personen – Herrn Maurik, der mich einstellte und der nicht ging, sondern lief, und mich – in meiner Arbeitskleidung gemalt habe. Die Organisation des Arbeitsprozesses nach deutschen Grundsätzen verdient eine eigene Geschichte und kann in einem Gedicht besungen werden. Ich entdeckte die Schönheit und den Adel der einfachen körperlichen Arbeit, die Poesie der Herstellung eines echten Produkts und fühlte den Stolz eines Arbeiters. Und mein Herz ist erfüllt von Dankbarkeit für all diese wertvollen Erfahrungen.“
(Ende des Zitats von Oksana Kuznetsova)

Geschenk an die Ausstellenden vom Mülheimer Künstler Franz Püll "Friedens-Uhu" eine künstlerische Friedensbotschaft an die Daheimgebliebenen in der Ukraine... | Foto: Bernd Kirstein, Mülheimer KünstlerbundGeschenk an die Ausstellenden vom Mülheimer Künstler Franz Püll „Friedens-Uhu“ eine künstlerische Friedensbotschaft an die Daheimgebliebenen in der Ukraine… Foto: Bernd Kirstein, Mülheimer Künstlerbund hochgeladen von Alexander Ivo FranzEin Erlebnis für Kunst- und Kulturfreunde

Die Werke der drei Künstlerinnen eröffnen einen faszinierenden Dialog über kulturelle Vielfalt, den Geist des Wandels und die Bedeutung von Kunst als Ausdruck von Identität und Gemeinschaft. Die Ausstellung bietet den Besucherinnen und Besuchern nicht nur einen Einblick in die ukrainische Kultur, sondern auch in die persönlichen Geschichten der Künstlerinnen – Geschichten, die den Mut und die Kreativität des Neuanfangs zelebrieren.
Die Ausstellung ist noch bis Ende des Monats in Mülheim an der Ruhr zu sehen und ein absolutes Muss für alle, die sich von Kunst inspirieren lassen möchten.

Scherenschnitt heißt auf Ukrainisch „витинанка“ (ausgesprochen: „vytynanka“). Der Begriff leitet sich vom ukrainischen Verb „витинати“ (vytynaty) ab, was „ausschneiden“ bedeutet.

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch den Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr, KKRR in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Mülheim MMKM Museum Moderne Kunst Mülheim und ist noch bis zum 2. März 2025 in der Villa Artis, Ruhrstraße 3 / Ecke Delle in der Ruhrtalstadt Mülheim zu bewundern.

Unser Link: Alle aktuellen Events rund um die „Bildende Kunst“ findet man mit der „KultAppMH.de“

"Alles hat ein Ende - nur die Wurst hat zwei" - Scherenschnitt von Oksana Kuznetsova in der Ausstellung "EINTAUCHEN" in der Ruhr Gallery Mülheim | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Geschenk an die Ausstellenden vom Mülheimer Künstler Franz Püll "Friedens-Uhu" eine künstlerische Friedensbotschaft an die Daheimgebliebenen in der Ukraine... | Foto: Bernd Kirstein, Mülheimer Künstlerbund
Skizzenbuch von Tetiana Shvartsman: "Überraschungen beim Durchblättern" | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
Eröffnungsrede von Viktoriia Solohubova zur Schau "EINTAUCHEN" in der Ruhr Gallery | Foto: Jürgen Brinkmann
Malerei von Viktoriia Solohubova mit Eindrücken ihrer neuen Heimat "Mülheim an der Ruhr" | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR
"Ein Wort zur Ausstellung" von Oksana Kuznetsova  (siehe Zitat in diesem Artikel in voller Länge) | Foto: Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR

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artnews

KuMuMü = Kulturmuseum Mülheim GadR = Galerie an der Ruhr ALIV = Alexander Ivo MMKM = Museum Moderne Kunst Mülheim KKRR = Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr MKB = Mülheimer Künstler*innenbund

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